E-Rechnung 2026
Was jetzt wirklich zählt – und warum Unternehmen das Thema nicht mehr „nebenbei“ lösen sollten
Die E-Rechnung ist seit dem 01.01.2025 im deutschen B2B-Umfeld kein Trend mehr, sondern Pflichtprogramm. Und genau das ist der Knackpunkt: Viele Unternehmen können heute PDFs verschicken – aber sie sind noch nicht sauber aufgestellt für strukturierte E-Rechnungen nach EN 16931 (XML) inklusive Empfang, Verarbeitung, Archivierung und belastbarer Prüfprozesse.
In den nächsten Monaten entscheidet sich, ob E-Rechnung bei Ihnen ein leises Prozess-Upgrade wird – oder später ein lauter Compliance-Fall: mit Rückfragen im Rechnungslauf, stockendem Freigabeprozess, Diskussionen beim Vorsteuerabzug und unnötigem Aufwand in der Betriebsprüfung.
Für FRADECO ist deshalb klar: E-Rechnung ist nicht „nur IT“. Es ist Umsatzsteuer-Compliance plus Prozessdesign. Und im deutsch-französischen Kontext kommt eine zusätzliche Dimension dazu: Wer grenzüberschreitend arbeitet (z. B. französische Gesellschaft mit deutscher USt-Registrierung, deutsche Gruppe mit FR-Einheiten, Shared Service Center, zentralisierte ERP-Landschaften), muss Rechnungslogik, Stammdaten und Prüfregeln lückenlos über Ländergrenzen hinweg orchestrieren – sonst entstehen Medienbrüche, Abstimmungsaufwand und steuerliche Risiken.
Die neue Definition: E-Rechnung heißt „strukturiert“, nicht „PDF“
Der wichtigste Perspektivwechsel zuerst: Eine E-Rechnung ist in Deutschland eine Rechnung, die in einem strukturierten elektronischen Format ausgestellt, übermittelt und empfangen wird – so, dass sie maschinell verarbeitet werden kann. Maßstab ist die europäische Norm EN 16931. Praktisch bedeutet das: XML-basierte Formate, z. B. XRechnung oder ZUGFeRD (mit EN-16931-konformer XML-Komponente).
Ein PDF bleibt damit in vielen Fällen nur eine „sonstige Rechnung“ – und nicht das, was der Gesetzgeber unter E-Rechnung versteht.
Wen betrifft das konkret?
Die Pflicht greift bei B2B-Umsätzen, wenn ein Unternehmer an einen anderen Unternehmer für dessen Unternehmen leistet – und zwar für in Deutschland steuerbare und steuerpflichtige Umsätze. Steuerfreie Umsätze nach § 4 Nr. 8 bis 29 UStG sind ausgenommen.
DE-FR Praxis, die häufig übersehen wird:
- Französische Unternehmen mit deutschen B2B-Umsätzen (z. B. Baustellen, Installationen, Lieferketten, Leistungen mit deutschem Leistungsort) brauchen E-Rechnung in deutscher Logik – unabhängig davon, wie in Frankreich fakturiert wird.
- Konzerne mit zentralem Billing/ERP müssen die deutsche E-Rechnungsfähigkeit in Templates, Schnittstellen und Prüfregeln sauber abbilden. „Wir haben ein Konzern-Template“ reicht in der Praxis selten.
Übergangsregeln 2025–2028: Das ist kein Aufschub – das ist Ihr Projektfenster
Die Einführung ist gestaffelt. Das wirkt entspannt – ist aber in Wahrheit ein klarer Fahrplan:
- 01.01.2025 bis 31.12.2026: Nutzung bisheriger Regelungen ist weiterhin möglich (Papier / andere elektronische Formate – teils mit Zustimmung des Empfängers).
- 01.01.2027 bis 31.12.2027: Erleichterungen für Rechnungsaussteller mit Gesamtumsatz ≤ 800.000 € (Vorjahr).
- ab 01.01.2028: EN-16931 wird im B2B-Regelfall Standardbetrieb – Spielräume für „sonstige Rechnungen“ werden deutlich kleiner.
Take-away: Wer 2026/2027 nicht nutzt, startet 2028 im Echtbetrieb – und bezahlt dann mit Zeit, Risiko und interner Reibung.
Ausnahmen: Ja – aber bitte nicht als Strategie
Dauerhaft außerhalb der strikten E-Rechnungspflicht bleiben u. a.:
- Kleinbetragsrechnungen (§ 33 UStDV) und Fahrausweise (§ 34 UStDV): weiterhin in jedem Format möglich.
- Kleinunternehmer (§ 19 UStG): keine E-Rechnungspflicht auf der Ausgangsseite; Abrechnung kann als „sonstige Rechnung“ erfolgen (Papier/PDF etc.).
Wichtig aus Unternehmenssicht: Gerade in Konzernen und Plattformen ist die Lieferantenlandschaft gemischt. Das heißt: Ihr Eingangsprozess muss E-Rechnung können – auch wenn nicht jeder Lieferant sofort perfekt liefert.
BMF 2024/2025: Mehr Klarheit – und ein deutlicher Fokus auf Validierung
Das BMF hat die Anwendung der E-Rechnung umfassend erläutert und 2025 weiter konkretisiert (Korrekturen, Ergänzungen, Beispiele und Praxishinweise). Die Botschaft ist eindeutig: technische Qualität und Validierung werden zum Standard.
Validierung & Vorsteuerabzug: Hier wird es „tax-relevant“
Der zentrale Punkt für Finance und Tax: Für den Vorsteuerabzug ist die XML-Datei maßgeblich. Damit wird Technik Teil der Rechnungsprüfung – zusätzlich zur klassischen Prüfung der Pflichtangaben.
Praxisnah lassen sich Fehler in drei Kategorien denken:
- Formatfehler: Datei entspricht nicht den zulässigen technischen Vorgaben → Risiko, dass es keine E-Rechnungist; Vorsteuerabzug kann ab 01.01.2028 gefährdet sein.
- Geschäftsregelfehler: Datei ist zwar E-Rechnung, aber „nicht ordnungsgemäß“ → Vorsteuer ggf. erst nach Berichtigung.
- Inhaltsfehler: klassische inhaltliche Mängel (Pflichtangaben, Steuersatz etc.) → nicht alles ist rein technisch validierbar.
Was daraus folgt: Validierung ersetzt keine kaufmännische Prüfung – sie wird die zusätzliche Prüfschicht, die man sauber in den Prozess integrieren sollte. Und: Validierungsberichte sind als Prozessnachweis in vielen Setups Gold wert.
Was heißt das konkret für Unternehmen? Ein pragmatischer Umsetzungsrahmen
Damit E-Rechnung nicht zur Dauerbaustelle wird, braucht es ein Setup entlang der Prozesskette:
A) Empfang & Verarbeitung
- Technischer Empfang + korrekte Verarbeitung im ERP/FiBu
- Klare Zuständigkeiten (AP / Accounting / Tax / IT) – ohne „Ping-Pong)
B) Ausgangsrechnungen
- EN-16931-konforme Formate (XRechnung / ZUGFeRD mit XML)
- Sauberes Stammdaten- und Mapping-Setup (USt-ID, Steuerschlüssel, Leistungsbeschreibung, Zahlungsbedingungen)
C) Prüfung & Governance
- Validierung (Tool/ERP-Modul) + kaufmännische Prüfung
- Dokumentation der Logik und Nachweise (inkl. Validierungsberichte)
D) Archivierung
- GoBD-konforme Aufbewahrung inkl. maschineller Auswertbarkeit der XML-Daten
DE-FR Perspektive: Warum es grenzüberschreitend schneller komplex wird
Im deutsch-französischen Umfeld treffen unterschiedliche Faktura-Realitäten aufeinander: französische Prozesse und Formate, deutsche Umsatzsteuerlogik, konzernweite ERPs, Shared Service Center. Das macht das Thema nicht schwieriger – aber es macht es weniger verzeihend.
Genau hier positionieren wir uns:
- Umsatzsteuerliche Einordnung DE/FR: Welche Umsätze sind in Deutschland steuerbar/steuerpflichtig – und damit E-Rechnung-relevant?
- Prozess- und System-Übersetzung: Anforderungen aus § 14 UStG/EN 16931 sauber in ERP-Templates, Workflows und interne Kontrollen übertragen.
- Audit-Readiness: Prüffähige Dokumentation und belastbare Routinen im Rechnungsein- und -ausgang inklusive Fehlerhandling und Berichtigung.
Bei Rückfragen stehen Ihnen unsere deutsch-französischen Steuerberater und Expert-Comptable an den Standorten Paris und Bonn gerne für eine persönliche Beratung zur Verfügung. Zudem beraten wir gerne frankreichweit und deutschlandweit per Telefon und Videokonferenz. Ihre deutsch-französische Steuerberatungsgesellschaft FRADECO.
Gewährleistungsausschluss
Bei der Erstellung dieser deutschen und französischen Newsletter ist die größtmögliche Sorgfalt verwendet worden, dennoch bleiben Änderungen, Irrtümer und Auslassungen vorbehalten. Eine individuelle zivil- und steuerrechtliche deutsch-französische Beratung bezogen auf den Einzelfall kann durch die in diesen Newsletter abstrakte rechtliche Darstellung nicht ersetzt werden. Nachträgliche Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen, der Auffassungen der deutschen oder französischen Finanzverwaltungen oder der Rechtsprechung, auch mit rückwirkenden Auswirkungen, sind möglich.

